China verbietet seit 2018 den Import von Kunststoffabfällen, dadurch entsteht auf den weltweiten Rohstoffmärkten ein großes Angebot von recycelfähigem Kunststoff. Mit diesem Überangebot sinken die Preise, die Entsorgungsunternehmen dafür erlösen können. Fazit: Die Müllabfuhr wird teurer.

China hat wie angekündigt den Import von Kunststoffmüll mit Jahresbeginn 2018 verboten. Grund sind die Giftigkeit der importierten Kunststoffe und die dadurch verursachten Umwelt- und Gesundheitsschäden.

Giftig und umweltschädlich sind diese Abfälle natürlich auch bei uns: Zum Schutz unserer Gesundheit und Umwelt gibt es daher Sicherheitsauflagen bei der Verwertung von Kunststoffabfällen, weshalb bisher der Transport nach Asien offenbar billiger war als die Einhaltung unserer Sicherheitsstandards.Kann dieses Verbot ein Impuls für unsere Wirtschaft und Verbraucher sein, selbst nach Lösungen zu suchen und so gleichzeitig auch die Betriebskosten für das Wohnen zu senken?

Worum geht es?

China führte zuletzt jährlich 7,3 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle ein, davon stammten 1,6 Millionen Tonnen aus den EU-Ländern. Österreich exportiert lauf Altstoff Recycling Austria ARA keine Altstoffe aus der Verpackungssammlung nach Asien, Abfälle von Spezialkunststoffen allerdings schon. Laut ARA werden bei uns jährlich 187.000 Tonnen verwertet - recycelt oder zur Energiegewinnung verbrannt - das sind rund 90 Prozent des bei uns anfallenden Kunststoffmülls. Der chinesische Importstopp trifft Österreich also nicht direkt, indirekt allerdings schon:

Müssen Altstoffe deponiert oder in Müllverbrennungsanlagen thermisch verwertet werden, entstehen dadurch hohe Kosten, die von den Entsorgungsunternehmen an die Gemeinden und Endkunden, Haushalte beispielsweise, weitergegeben werden. Sortenrein getrennter Kunststoffabfall hingegen ist ein wertvoller Rohstoff, dafür bekommen die Entsorger Geld. Diese Erlöse kommen den Haushalten zugute - die Müllgebühren werden durch diese Einnahmen der Entsorger niedriger, als sie bei bloßer Verbrennung oder Deponierung der Kunststoffabfälle wären. Deshalb ist es so wichtig, den Müll möglichst sauber und sortenrein zu trennen.

Die Entscheidung der chinesischen Regierung wirbelt Europas Recyclinggeschäft kräftig durcheinander. "Der Markt hat sich von einem Anbietermarkt zu einem Nachfragemarkt gewandelt", urteilt der deutsche Recyclingverband BVSE. Während China künftig weniger bzw. gar keinen Kunststoffmüll abnehmen wird, kommt immer mehr recyceltes Material hinzu, schließlich arbeiten alle Länder fieberhaft daran, Rohstoffe wiederzuverwerten. Die gute Konjunktur verstärkt das Problem noch: Wenn mehr gekauft wird, fällt mehr Müll an.

Weil nun das weltgrößte Abnehmerland China ausfällt, fallen die Weltmarktpreise für recyclingfähige Kunststoffe. Damit sinken zwar die Beschaffungskosten für Unternehmen, die aus Recyclingkunststoff Produkte herstellen, die Entsorger bekommen aber nur mehr niedrigere Preise - dadurch werden die Entsorgungskosten für Endkunden, Haushalte, Gemeinden und Unternehmen steigen.

Wie können Wirtschaft, Gemeinden und Umwelt von der neuen Marktlage bei Kunststoffabfällen profitieren?

Jede Herausforderung ist gleichzeitig eine Chance für kreative Köpfe. Schauen wir uns die Müllplätze von Wohnanlagen oder Stadtteilen und den Inhalt von Mülltonnen an, finden wir sofort zahlreiche Verbesserungsmöglichkeiten: Papier in Plastiktaschen landet in den Altpapiercontainern, damit können sowohl Papier als auch Kunststofftasche meist nur mehr verbrannt werden, denn eine manuelle Trennung wäre zu teuer. In der Biotonne finden wir Essensreste in normalen Kunststoffbeuteln, Kunststoffverpackungen landen im normalen Hausmüll. Alle diese Kunststoffe können nicht mehr in den Wertstoffkreislauf zurückgeholt werden, obwohl sie bei richtiger Trennung recyclingfähig wären.

Die Einnahmen der Entsorger können erhöht und damit die Entsorgungskosten gesenkt werden, wenn wir den Anteil recycelbarer Kunststoffe vergrößern: Verbessern wir die Trennung technisch und organisatorisch. Dafür können die Entsorger und andere Unternehmen effizientere Trenn- und Sammelverfahren und neue Technologien entwickeln und durch Informationskampagnen den Haushalten die sortenreine Trennung erleichtern. Gemeinsam mit Gemeinden und Ländern können Verpackungs-Kennzeichnungen vereinfacht werden, die Verpackungsindustrie kann mit Industrie und Handel Verpackungen schaffen, die sich leichter sortenrein trennen lassen. Es kommt aber vor allem auf eine Person an: Auf SIE!

Gemeinden können innovative Gebührenmodelle schaffen, wie zuletzt die Stadt Salzburg mit dem Gebührenmodell NEU 2018: Mit diesem Gebührenmodell werden die SalzburgerInnen für die Müllvermeidung und bessere Trennung belohnt, besonders ambitionierte MülltrennerInnen können bis zu 33 Prozent ihrer Müllgebühr einsparen. Mit der speziell entwickelten App Müll-Checker können Haushalte ihre Einsparungsmöglichkeiten selbst berechnen und sich über weitere Serviceleistungen informieren.

Entsorgungsunternehmen können gemeinsam mit Eventveranstaltern Leihsysteme für wiederverwendbares Geschirr anbieten, das bei der Abschlussreinigung der Veranstaltungen wieder zurückgenommen wird. Bis April 2018 läuft der Wettbewerb Nachhaltig gewinnen des Lebensministeriums, bei dem kreative Ideen für nachhaltige Feste, Kulturevents, Sportveranstaltungen und Sportvereine prämiert werden.

Küchenzubehör und andere Haushaltshilfen könnten viel häufiger aus langlebigeren Materialien wie Holz, Glas oder Metall hergestellt und gekauft werden, statt aus Kunststoff, der Weichmacher enthält. Immer häufiger finden wir Zero-Waste-Geschäfte, die unverpackte Lebensmittel anbieten - solche Systeme könnten auch in "normale" Supermärkte integriert werden.

Legen auch Sie im Supermarkt oder im Baumarkt noch immer eine Kunststofftasche auf das Laufband vor der Kassa? Stecken Sie den Schuhkarton oder die Kosmetika in eine Kunststofftasche? Haben Sie Ihre eigene wiederverwendbare Stofftasche oder den Einkaufskorb zu Hause "vergessen", obwohl Sie einkaufen gegangen sind und nicht daran dachten, dass Sie zum Heimbringen der Waren eine Tasche brauchen? Sobald Sie dieses Mitnehmen einer eigenen Tasche einige Male geschafft haben, funktioniert das ganz automatisch - Sie werden ein gutes Gefühl spüren bei dem Gedanken, etwas für unsere Umwelt getan zu haben.

Die Stadt Wien hat mit dem Wiener Altwarenmarkt 48er-Tandler einen echten Publikumshit gelandet, einen Supermarkt der Ideen und der Nachhaltigkeit. Andere Gemeinden könnten diesem Beispiel folgen und selbst oder in Kooperation mit Nachbargemeinden und Vereinen ähnliche Gebrauchtwarenmärkte einrichten.

Was könnten Sie als VerbraucherIn und BewohnerIn tun?

Betriebskostenspiegel 2015
Die Kosten der Müllabfuhr betragen rund 12 Prozent der gesamten Betriebskosten.

Egal, ob Haus oder Wohnung, es geht um Ihre Betriebskosten: Darin sind die Entsorgungskosten für Kunststoffmüll enthalten. Diese Kosten werden in nächster Zeit jedenfalls ansteigen, weil die bisher gegenverrechneten Verkaufserlöse für sortenreine Kunststoffe in der nächsten Zeit sinken oder ganz wegfallen werden. Diese Verteuerung der Entsorgung von Kunststoffabfällen sollten Hausverwaltungen, Bauträger, Vermieter, Gemeinden und Konsumentenberater nutzen, über Müllvermeidung und sortenreiner Trennung zu informieren und die Einsparmöglichkeiten aufzuzeigen.

Es liegt also an Ihnen selbst, die Menge an Kunststoffmüll und damit deren Entsorgungskosten zu senken:

  • Trennen Sie selbst Ihren Müll sauber und reden Sie mit Ihren Nachbarn darüber, dass SIE damit helfen, die Betriebskosten zu senken.
  • Müllvermeidung durch bewusstes Einkaufen: Produkte ohne oder mit wenig (Kunststoff-)Verpackung wählen.
  • Gemeinsam mit Nachbarn und Freunden größere Packungen einkaufen und dann aufteilen.
  • Eigene mehrfach verwendbare Behälter und Taschen zum Einkaufen mitnehmen; Stofftaschen kann man immer dabei haben.
  • Produkte und Verpackungen für mehrere Verwendungszwecke nutzen, Upcycling.
  • Leitungswasser statt Wasser in Plastikflaschen.
  • Sanitär- und Hygieneartikel nachfüllen statt neu kaufen.
  • Reparieren statt wegwerfen. Repair Cafés helfen Ihnen, wo Sie nicht selbst reparieren können.
  • Kaufen Sie auch in Altwarenmärkten und Flohmärkten ein.
  • Textilien aus natürlichen Materialien wie Schafwolle, Leinen usw. statt aus Kunstfasern: Waschrückstände (Mikroplastik) landen im Wasser und letztlich in unserer Nahrungskette.
  • ... und Ihre Ideen?

Welche Ideen haben SIE, um die Menge an Kunststoffmüll zu reduzieren, ihn sauberer und sortenreiner zu trennen, Verpackungen weiter zu verwenden?

Eine solche kleine Falttasche können Sie immer dabei haben.
Eine solche kleine Falttasche können Sie immer dabei haben, damit Sie auch ungeplante Einkäufe mit nach Haus nehmen können, ohne jedes Mal eine neue (Plastik-)Tasche zu kaufen.

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Bildnachweis: © div #wohnblogAt
tags: abfall, betriebskosten, china, entsorgung, kunststoff, müll, müllabfuhr, plastik, plastiktaschen, recycling, umwelt, wertstoffkreislauf, wiederverwertung, #wohnblogAt

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Alois G. Auinger

Wohnen, Energie nutzen zu können und mobil zu sein und auf unsere Umwelt zu achten sind Grundvoraussetzungen für unser heutiges Leben und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen. Diese Themenkreise bearbeite ich in meinem wohnblogAT. Wenn Sie Ihre Kommunikation in diesen Themenfeldern optimieren wollen, kann ich Ihnen helfen. Hier finden Sie mein Impressum.


 

 

Kommentare   

# Uwe 2018-01-18 11:53
Sehr interessanter Artikel, danke dafür. Es ist also jetzt noch wichtiger als je zuvor, dass wir alle so wenig wie möglich Müll erzeugen und gut Müll trennen.
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