Eine Bürgerinitiative fordert ein Anti-Wegwerfgesetz ähnlich wie in Frankreich, das Supermärkte zur Abgabe unverkäuflicher Ware an die Zivilgesellschaft verpflichten soll.

Eine 2014 im Parlament eingebrachte Petition zur Schaffung eines Anti-Wegwerfgesetzes wurde nun im Parlament behandelt. Der Handel sollte verpflichtet werden, noch brauchbare aber unverkäufliche Lebensmittel an die Zivilgesellschaft abzugeben.

Weil das Parlament aber keinen Gesetzesentwurf vorbereitet hatte, bleibt diese Forderung vorerst einmal schubladiert und das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus BMNT sieht keinen Änderungsbedarf.

TICKER: Das Anti-Wegwerf-Gesetz landet im Müll

Originalartikel: "Das Anti-Wegwerf-Gesetz landet im Müll." von Thomas Martinz, Kurier, 9.4.2018

  • 577.000 Tonnen Lebensmittel landen bei uns in Österreich im Müll.

  •  Eine vom ehemaligen Kärntner Grünen Oliver Hönigsberger am 20.11.2014 initiierte parlamentarische Bürgerinitative fordert ein "Anti-Wegwerfgesetz" gegen die Verschwendung von noch brauchbaren Lebensmitteln.

  • 9.401 Menschen haben bisher diese parlamentarische Bürgerinitiative Verpflichtung zur Abgabe unverkäuflicher Ware an die Zivilgesellschaft vor der Müllentsorgung - Anti-Wegwerf-Gesetz (6/BI) unterzeichnet und nach vier Jahren (!) wurde sie am 21.3.2018 im Parlament behandelt.

  • Das Parlament beschloss aber keinen eigenen Gesetzesantrag, sondern schickte das Begehren an das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus BMNT zur weiteren Behandlung.

  • Das BMNT aber winkte ab: „Wir können kein Anti-Wegwerfgesetz prüfen, solange kein entsprechender Antrag vorliegt.

  • Seit 2016 verbietet in Frankreich ein Gesetz Supermärkten das Wegwerfen von noch brauchbaren Lebensmitteln. In Belgien, Region Wallonien, gibt es sei 31.03.2014 ein Antiwegwerfgesetz für Supermärkte: Verzehrbare Ware müssen karitativen Organisationen überlassen werden.

Kommentar

Einleitend schreibt der Autor: "1,5 Millionen Menschen gelten in Österreich als armutsgefährdet, müssen mit weniger als 1185 Euro monatlich auskommen. Andererseits landen jährlich 577.000 Tonnen Lebensmittel im Müll."

Mit diesem Satz wird unterschwellig der Eindruck vermittelt, Lebensmittel würden vor allem von armutsgefährdeten Menschen weggeworfen: Es gibt aber keine seriösen wissenschaftlich fundierten Quellen, die einen solchen Zusammenhang belegen. Lebensmittel werden in allen sozialen Schichten der Gesellschaft und in allen Bereich der Lebensmittelkette weggeworfen, besonders auch im Handel.

Warum setzt also der Autor Menschen mit geringem Einkommen mit den weggeworfenen Lebensmitteln in Beziehung? Ein nicht gewollter Zusammenhang?

Brauchen wir Gentechnik in der Lebensmittelproduktion?

Ungefähr ein Drittel aller weltweit produzierten Lebensmittel landen jedes Jahr im Müll: 1,3 Milliarden Tonnen. In der ganzen Lebensmittelkette wird weggeworfen: In der Erzeugung, beim Transport, im Handel und bei den VerbraucherInnen. Um die gesamte Weltbevölkerung satt zu kriegen, brauchen wir also keine gentechnisch hochgezüchteten Pflanzensorten, sondern eine intelligente Logistik.

Smart Food sollte unser Ziel sein, mit smarter Logistik so zu den Menschen gebracht, dass in dieser Kette möglichst wenig Lebensmittel verloren gehen und alle davon und damit gut leben können.

Links

  • Monetäre Bewertung von Lebensmittelabfällen im Restmüll aus Konsumentensicht im Untersuchungsgebiet Salzburg. Masterarbeit DI Vera Bernhofer, Universität Salzburg
    Website | Masterarbeit DI Vera Bernhofer [PDF]

Bildnachweis: © pixabay div #wohnblogAt
tags: abfall, ernährung, essen, essensreste, foodsharing, handel, lebensmittel, lebensmittelverschwendung, müll, supermarkt, umwelt, verschwendung, wegwerfen, wohnblogAt

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Alois G. Auinger

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