Gekauft, weiterverkauft, in Fonds gepackt. Die neue Währung heißt Wohnung.

  • Zahlreiche in unserem Land für Wohnungspolitik Verantwortliche beklagen, die öffentliche Hand könne wegen knapper Budgets keine Wohnungen mehr bauen oder besitzen.

  • Besonders im Ausland stellen viele fest, genau die Wohnungen im Besitz von Kommunen und gemeinnützigen Organisationen helfen, eine der wichtigsten Lebensgrundlagen zu sichern: Das Dach über dem Kopf.

  • Die Finanzialisierung des Wohnens geht trotzdem auch bei uns weiter, Auslagerung des Wohnungsbaues an gewinnorientierte private Immobilieninvestoren.

Die neue Währung heißt Wohnung

So titelt die SZ in einem Bericht über die Konferenz Wohnungsfrage. Diese Konferenz findet übrigens nicht bei uns in Österreich statt, sondern in Berlin. Es geht um die Frage, wie leistbarer Wohnraum geschaffen werden kann.

Was nicht nur das Errichten von neuen Gebäuden sein muss, auch andere Nutzungsformen können dazu beitragen: Von Wohngemeinschaften bis zum Wohnungstausch je nach verändertem Bedarf von Familien mit Kindern bis hin zu alleinstehenden Menschen.

In vielen europäischen Ländern wird gerne auf Österreich verwiesen: Der soziale Wohnungsbau und die Wohnungen im Besitz von Kommunen werden als stabilisierend für die gesamte Wohnungswirtschaft gesehen. Das führe zu relativ noch günstigen Wohnungskosten und sozialem Frieden.

Was tut Österreich in dieser scheinbar recht komfortablen Lage? Wien hat vor einiger Zeit begonnen, wieder Gemeindewohnungen zu bauen. Gut, und sonst?

Öffnung der Wohnbauförderung für private Investoren

Mit Salzburg hat ein weiteres Bundesland die Wohnbauförderung für private Bauträger geöffnet. In der Hoffnung, damit würden Bauprojekte möglich, die bisher an fehlenden Baugrundstücken in Privatbesitz gescheitert waren.

International gehen viele Raumplaner davon aus, dass dieser Weg falsch ist. Daniel Fuhrhop schreibt in seiner heuer erschienenen Streitschrift Verbietet das Bauen: „Auf Dauer bleibt aber keine dieser Sozialwohnungen übrig: Die Investoren mussten sich immer nur für eine begrenzte Zeit dazu verpflichten, Wohnungen günstig zu vermieten. Nach fünfzehn oder zwanzig Jahren ist Schluss mit dem Sozialen, dann nehmen sie marktübliche Mieten ...“

Und dann?

Gekauft, weiterverkauft, in Fonds gepackt

Wohnungen sind eine Anlageform geworden, die 'neue Währung der Welt' jubelt eine Immobilienfirma“, schreibt die SZ. Damit ist das Drama umfassend beschrieben.

Was wäre ein Gegenentwurf? Die Stärkung der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft.

Ja, die gemeinnützige Wohnungswirtschaft muss transparenter werden, es braucht rigide Regeln zur Verhinderung von Spekulationen mit geförderten Wohnungen, eine objektivere und in die Tiefe gehende sachliche Kontrolle, beispielsweise durch den Rechnungshof. Aber sie sollte gestärkt werden, die gemeinnützige Wohnungswirtschaft.

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