Wegen erhöhter Einkommensgrenzen können viel mehr SalzburgerInnen eine Wohnbauförderung für Eigenheime beantragen.

Haben Sie seit 2015 beim Land Salzburg um eine Förderung für den Neubau eines Wohnhauses angesucht? Dann haben Sie vermutlich noch Glück: Ab sofort werden keine neuen Ansuchen mehr angenommen, der Fördertopf ist leer.

Alle bisher eingelangten Ansuchen sollen aber noch nach den bisher geltenden Regeln abgearbeitet werden, unklar ist aber, bis wann.

Wegen hoher Einkommensgrenzen Ansturm auf die Wohnbauförderung?

Das Land Salzburg hat 2015 mit der Salzburger Wohnbauförderung NEU die Einkommensgrenzen massiv erhöht, bis zu denen eine Förderung von Eigenheimen möglich ist. Kritiker befürchteten damals bereits ein starkes Ansteigen von Ansuchen durch Förderungswerber, die ohnehin gut verdienen und sich so ihren Traum vom Haus mit Garten mit einem Geschenk des Landes noch billiger erfüllen könnten.

Eine Senkung der Wohnkosten für größere Teile der Bevölkerung sei damit nicht zu erreichen, die Mieten würden weiterhin stark ansteigen. Und die Kritiker scheinen recht zu behalten: Die Mietkosten im Land Salzburg sind die höchsten in ganz Österreich und eine Trendwende ist nicht abzusehen – ganz im Gegenteil: Sie steigen weiter.

„Ich bin doch nicht blöd und hole das Geschenk nicht ab ...“

Bei Gesprächen mit HäuslbauerInnen in meinem Bekanntenkreis bekam ich schon zu hören, „Ich bin doch nicht blöd und hole das Geschenk nicht ab. Wenn das Land Salzburg soviel Geld hat – ich kann es gut für mein Haus brauchen.

Mit diesen Geldern werden bzw. wurden Eigenheime gefördert, die mit relativ hohem Grundverbrauch relativ wenig Wohnfläche für Menschen bieten. Und spätestens nach zwanzig Jahren stehen die zu großen Häuser mit zwei BewohnerInnen fast leer, weil die Kinder dann aus dem Haus sind.

Wer bezahlt die Kosten für Infrastruktur und Umweltfolgen?

Zusätzlich wird durch dieses wenig verdichtete Bauen für viele Generationen Verkehr zur Arbeit, zu Kindergarten, Schule und zum Einkaufen produziert, weil die Neubau-Siedlungsgebiete natürlich an Ortsrändern liegen. Infrastruktur wie Straßen, Kanäle, Wasser- und Stromleitungen müssen gebaut werden. Böden werden versiegelt, was unserem Klima nicht gut tut und bei den zunehmenden Starkregen zu immer mehr Überflutungen führt.

Gleichzeitig sterben unsere Ortszentren aus, regionale Betriebe können dort kaum mehr überleben, weil die BewohnerInnen der Neubaugebiete gleich zum nächsten Einkaufszentrum fahren, wenn sie ohnehin schon im Auto sitzen – und ohne Auto geht es in diesen Schlafsiedlungen nicht. Wissenschaftler schlagen angesichts derartiger Raumplanungssünden die Hände über dem Kopf zusammen.

Land Salzburg sucht einen Ausweg aus dem Förderdilemma

Landesrat Hans Mayr sagte in einem Medieninterview, alle bisher eingelangten Förderanträge sollen nach den bisher geltenden Regeln abgearbeitet werden. Wie genau das ausschauen wird und bis wann das möglich ist, soll in den nächsten zwei Wochen regierungsintern geklärt werden.

Er stellte Umschichtungen der Förderung von Sanierungen oder Wohnheimen hin zur Errichtungsförderung in Aussicht – ein absolut fatales Vorhaben. Damit würde der Wohnbau im Land Salzburg nicht in eine gesellschaftlich, wirtschaftlich und sozial wünschenswerte Richtung gelenkt, sondern genau in die verkehrte Richtung.

Diese Wohnbauförderung hilft nicht, die Mieten zu senken

Gleichzeitig ist auch zu wenig Geld für die stark angestiegenen Anträge auf Wohnbeihilfe vorhanden: Statt der budgetierten 17 Millionen braucht das Land Salzburg mindestens 20 Millionen Euro.

Das hängt wohl auch damit zusammen, dass durch die vorab breit kritisierte Form der Salzburger Wohnbauförderung NEU die Mieten eben nicht gesunken sind, Salzburg ist vielmehr Spitzenreiter bei den Mietkosten in Österreich.

Wer sich ein Haus leisten kann, gibt am wenigsten für das Wohnen aus. Und wird zusätzlich noch gefördert.

Der ORF schreibt in seinem Beitrag Landeswohnbauförderung geht Geld aus vom 12.7.2016:

Hauseigentümer geben am wenigsten aus.
Wer sein Haus oder seine Wohnung besitzt, gibt im Schnitt weniger fürs Wohnen aus. Bei in Eigentum bewohnten Häusern betrugen die Wohnkosten pro Quadratmeter zuletzt 3,2 Euro, bei Eigentumswohnungen waren es 5,2 Euro und bei privaten Mietwohnungen 9,8 Euro. Die Wohnkosten beinhalten u. a. die Ausgaben für Strom und Gas sowie den Zinsanteil der Kreditrückzahlung.

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Bildnachweis: © 2015 wohnblogAt

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